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Was ist der Preis?

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Meine Coachees kennen diese Frage von mir. Wenn es um geplante Veränderungen geht, dann sind diese nicht nur toll. Sie haben einen Preis. Und es ist mir wichtig, dass dieser Preis möglichst transparent ist. Genau wie auch die „Nicht-Veränderung“ ihren Preis hat. Wenn beides klar ist, kann ich mich entscheiden. Ich bin überzeugt, alles im Leben hat einen Preis. Manches kann man monetär beziffern, manches kostet Zeit und manches Herzblut, Mut oder was auch immer.

Die grundlegende Feststellung: Für alles, ja wirklich alles im Leben, zahlen wir einen Preis.

Besonders bewusst wird dies bei schwierigen Entscheidungen. Entscheidungen, bei denen man einen Coach zur Unterstützung aufsucht.  Doch nicht nur bei diesen schwierigen Entscheidungen zahle ich einen Preis.

Wir zahlen diesen Preis immer! Jeden Tag. Bei vielen alltäglichen Entscheidungen, die für uns eindeutig sind. Dort zahlen wir den damit verbundenen Preis eben, ohne groß darüber nachzudenken und ohne zu murren.Wir richten uns in unserem Leben ein und zahlen den Preis. Er ist gerade nicht transparent, im Gegenteil, manchmal blenden wir ihn sogar aus.

Zum Beispiel wenn ich einen sicheren Job habe, der mir aber überhaupt keinen Spaß macht. „Na ja, das ist doch okay, Arbeit muss nicht Spaß machen“, könnte man denken. Aber es gibt auch hier einen Preis, den wir dafür zahlen: Langeweile, Unzufriedenheit, Ärger mit Kollegen oder Chef etc.

Wir zahlen also ständig einen Preis. Zu jeder Zeit. Auch wenn im Coaching ganz neue Lebensentwürfe auf den Tisch kommen, auch die haben einen Preis. Nichts lässt sich reibungslos und nur mit Spaß aufbauen. Es gibt immer auch Tiefschläge, die dazu gehören.  Oder Lernphasen, die sich am Anfang gar nicht gut anfühlen, eben weil wir das, was wir können wollen, eben noch nicht können.

Es entspannt mich, dies mir immer wieder bewusst zu machen: Es ist vollkommen o. k., dass es jetzt gerade auch mal schwer ist. Dass ich mal die Negativseite erlebe und auch gar nicht den Anspruch haben muss, dass immer alles leicht geht. Denn nichts wird immer nur schön und gut sein. Alles wird auch mal eine mühsame und schwere Seite haben. Eben auch all die guten Dinge.

Dies ist kein Anlass, an dem eingeschlagenen Weg zu zweifeln. Der Weg ist manchmal steinig, deshalb müssen wir weder uns selbst in Frage stellen (ich kann das nicht), noch den Weg (ich habe eine falsche Entscheidung getroffen). Es ist einfach nur die anstrengende Seite meines Weges, eben den Preis den ich für die Veränderung zahle.

Denn auf allen anderen Wegen wären wir früher oder später auch mal an diese Grenzen, an die negativen Seiten geraten. Auch hier hätten wir irgendwann den Preis für diesen Weg zahlen müssen.

Wenn man sich das bewusst macht, dann fällt es viel leichter, mit solchen Hürden im Leben umzugehen. Denn ich weiß: Ja, ich werde auch Tage haben, an denen ich das, was ich eigentlich mag, verfluche. Das ist aber vollkommen normal. Weil auch das, was ich eigentlich mag, eben seinen Preis hat.

Wie hoch ist der Preis?

Wenn ich mir bewusst mache, dass wirklich alles seinen Preis hat, dann kann ich das gut nutzen, um Entscheidungen zu treffen, die besser zu mir passen.

Wenn ich nämlich konsequent hinschaue und mir die Fragen stelle:

  • Welchen Preis muss ich für welche Entscheidung und deren Umsetzung zahlen?
  • Bin ich bereit, diesen zu zahlen?
  • Welchen anderen Preis zahle ich, wenn mir der Preis für die Veränderung zu hoch ist?

Sich das bewusst zu machen, kann uns in vielerlei Hinsicht die Augen öffnen. Denn zu wissen, was ich nicht will, welchen Preis ich nicht bereit bin zu zahlen, das sagt eine Menge darüber aus, welchen Weg ich besser einschlagen sollte.

Ein klassisches Beispiel, das vielen Menschen vielleicht einmal im Leben begegnet: Wollen Sie gern beruflich aufsteigen oder lieber eine gute Work-Life Balance für sich erhalten? Sind Sie dann auch bereit, den Preis zu zahlen und mehr zu arbeiten und Ihre Freizeit zu opfern? Oder sind Sie eher bereit dafür, mit weniger Geld auszukommen und auf beruflichen Aufstieg zu verzichten?

Eine schwierige Frage, bei der wir den einen Preis gegen den anderen abwägen müssen. Und wir viele verschiedene Aspekte und Anteile in uns abwägen müssen. Wie sehr will ich meine Komfortzone verlassen oder aber wie wichtig ist mir der Status Quo mit allen seinen Vorteilen?

Viele Menschen merken auch erst im Tun, dass sie gar nicht bereit sind, den erforderlichen Preis zu zahlen. Stellen Sie sich also öfter mal die Fragen: Wie lautet eigentlich der Preis hierfür? Und welchen Preis möchte ich bewusst und sehenden Auges bezahlen? Hinter der Entscheidung können Sie dann auch viel besser stehen. Auch wenn es mal gerade nicht so toll läuft.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei Ihrer Preisermittlung! Und freu mich auf Ihre Gedanken dazu!

 

 

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Über Gisela Enders - Coach

Coach, Autorin, Bloggerin

Diskussionen

2 Gedanken zu “Was ist der Preis?

  1. Liebe Gisela,
    jetzt schreibe ich einmal etwas, nach den vielen Jahren, in denen ich mir Deine hilfreichen Texte gerne ansehe.
    Diesen Text finde ich sehr weiterführend. Er rückt vieles in die richtige Perspektive.
    Große Schwierigkeiten habe ich aber, nach wie vor, mit Entscheidungen unter Unsicherheit. Wenn eben nicht ganz klar ist, was der Preis ist. Wenn sich das erst im Handeln herausstellt. Sich Dinge herausstellen, die man vorher nicht imaginieren konnte, weil sie über den eigenen Horizont gehen.
    Dann stellt sich nicht nur die Frage: Welchen Preis will ich zahlen?
    Sondern auch: Bin ich bereit, das Bekannte, dessen Preis ich kenne, gegen das Unbekannte einzutauschen, dessen Preis ich nicht kenne?
    Und ganz wild wird es, wenn ich den Preis (den ich nicht genau kenne) nicht alleine zahle, sondern andere Menschen in Mitleidenschaft ziehe. Wenn ich mich von meinem Partner trennen will, wenn ich eines Jobs wegen mit einer Familie umziehen will, wenn ich mich dafür oder dagegen entscheide, ein Kind auszutragen.
    Das sind Situationen, in denen einem alle Orientierungen und Leitlinien wegbrechen können, in denen man nicht mehr in der Lage ist, Preise gegeneinander abzuwägen.
    Mich würde interessieren, welche Gedanken Du dazu hast.

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    Verfasst von Corinna | 12. Mai 2016, 2:31
    • Liebe Corinna,

      vielen Dank für Deinen langen Kommentar. Da stellst Du eine schwierige Frage. Die sich bei fast allen Veränderungen einstellt. Wir ahnen, dass wir einen Preis zahlen, aber wenn wir uns für das neue entscheiden, dann wissen wir eben nicht genau, wie teuer der Preis ist. Ich glaube, dass dies der Hauptgrund ist, warum Menschen lieber den Preis für das Bekannte bezahlen. Den kennen sie wenigstens. Auch wenn er echt teuer ist, er ist bekannt. So verbleiben Menschen auf Stellen, auf denen sie sich nicht wohlfühlen, leben mit Partnern, die sie langweilen und so weiter und so fort. Aber da weiß ich wenigstens, was ich hab. Manchmal muss der Preis dann immer höher werden, damit sich was verändert. Deshalb gibt es ja so viele Veränderungen in Krisen. Man braucht die Krise, um sich selbst zuzugestehen, dass der Preis jetzt wirklich zu hoch ist. Und man was Neues wagt, auch wenn man da den neuen Preis noch nicht kennt. Oder nur erahnen kann. Was ich deutlich machen wollte, ist, dass auch das Neue einen Preis hat. Es gibt nichts, was nicht auch anstrengende, langweilige, schnöde oder auch verunsichernde Seiten hat. Ob wir im Alten bleiben, oder das Neue wagen. Dazu kommt noch, dass wir das Andere vermissen können. Dabei betrachten wir dann meist nur die schönen Seiten… Und ja, Corinna, leider gibt es bei Lebensveränderungen keine Preisschilder. Manchmal ist was deutlich billiger zu haben, als gedacht und manchmal ist es genau andersrum. Aber so bleibt es auch ein spannendes Abenteuer, unser Leben! Alles Gute Gisela

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      Verfasst von Gisela Enders - Coach | 12. Mai 2016, 9:19

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